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Es gibt keine sicherere Investition als Staatsanleihen vom Bund. Aber eine Sache ist merkwürdig: Man kann Geld verlieren, wenn man in sie investiert. Wenn Sie eine Anleihe oder einen Anleihenfonds besitzen, dann sollten Sie diesen Beitrag genauer lesen.

Eine der sichersten Investition der Welt sind deutsche Staatsanleihen. Der Grund dafür ist einfach: Regierungen können hinsichtlich ihrer Verbindlichkeiten praktisch nicht in Verzug geraten, weil sie Geld „drucken“ können, um ihnen nachzukommen.

In der Realität kann man bei allen Arten von Anleihen hohe Verluste einfahren, einschließlich bei den weltweit sichersten Anleihen.

Viele Investoren haben einen Fonds, der in Staatsanleihen investiert. Wenn Sie irgendeine Art von Anleihe oder Anleihenfonds besitzen, dann sollten Sie wirklich verstehen, wie sie funktionieren und welche potenziellen Risiken damit einhergehen, vor allen Dingen jetzt, wo die Zinsen wieder anfangen könnten, zu steigen.

Wenn Sie glauben, dass Sie keine Anleihen besitzen, dann sollte Ihnen bewusst sein, dass Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit doch in Anleihen investiert sind, falls in dem Titel Ihres Investmentfonds das Wort „Einkommen“(engl. „Income“) oder „Ausgewogen“ (engl. „balanced“) vorkommt.

Das können Sie herausfinden, indem Sie im Internet nach dem genauen Titel Ihres Fonds suchen, gefolgt von dem Wort „Wertpapierprospekt“. Schauen Sie sich dann das Wertpapierprospekt an und finden Sie heraus, in was der Fonds investiert.

Lassen Sie uns einen genaueren Blick darauf werfen, was genau eine Anleihe ist und wie sie funktionieren.

Eine ganz einfache Erklärung für Anleihen

Auch wenn es den Anschein hat, als ob es Hunderte von verschiedenen potentiellen Investments in der Welt gibt, fällt die überwiegende Mehrheit in nur zwei Kategorien:

Kreditgeber: Man verleiht Geld an jemanden und er verspricht, es zu einem späteren Zeitpunkt zusammen mit den Zinsen zurückzuzahlen. Typische Kreditgeberinvestitionen umfassen alle Arten von Anleihen (engl. „Bonds“).

Inhaber: Man besitzt einen Teil eines Unternehmens, in der Regel in Form von Aktien. Es gibt keinen festgelegten Zinssatz, kein Fälligkeitsdatum und keine Garantie, dass man sein Geld wiederbekommt.

Und auch wenn es den Anschein hat, als ob es unendlich viele Investitionsrisiken gibt, gibt es im Grunde nur zwei:

Ausfallrisiko: Das Unternehmen, in das Sie investieren, geht bankrott und Sie verlieren Ihr Geld.

Marktrisiko: Die Aktie oder die Anleihe, in die Sie investiert haben, verliert an Wert und Sie verkaufen sie.

Deutsche Staatsanleihen sind Kreditgeberinvestitionen. Wie bereits gesagt, haben sie praktisch kein Ausfallrisiko, weil die Regierung einfach Geld „drucken“ lassen kann, um ihre Schulden zu bezahlen.

Aber von dem Zeitpunkt, an dem sie ausgegeben wurden, bis zu dem Tag, an dem sie fällig werden, was bis zu 30 Jahre dauern kann, schwanken die Kurse von Staatsanleihen. Kurz gesagt, sie unterliegen dem Marktrisiko.

Wodurch gewinnen und verlieren Anleihen an Wert?

Wenn Sie dazu bereit sind, zu warten, bis die Anleihen fällig werden, dann werden Sie immer den Nennwert erhalten.

Z.B., wenn Sie eine Anleihe zum Nennwert von € 1.000.—gekauft haben, dann werden Sie nach Ablauf der Laufzeit bei Fälligkeit € 1.000.– zurückbekommen.

Aber die Preise können in der Zwischenzeit schwanken. Um zu verstehen, warum das so ist, stellen Sie sich bildlich eine Wippe wie auf einem Kinderspielplatz vor.

Am einen Ende der Wippe sind die Anleihekurse. Auf der anderen Seite die Zinssätze.

 Wenn die Zinsen steigen, dann fallen die Anleihekurse.

Wenn die Zinsen fallen, dann steigen die Anleihekurse.

Um die Fachbegriffe zu verwenden: Anleihekurse und Zinssätze stehen in einer inversen Beziehung zueinander.

Warum ist das so?

Nun, stellen Sie sich vor, dass ich letztes Jahr 1.000€ in eine Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit zu einem Zinssatz von 0,25 Prozent investiert habe. Nun ist der Zinssatz gestiegen und identische Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit werden jetzt mit einem Zinssatz von 1 Prozent angeboten.

Da jeder lieber 1 Prozent als 0,25 Prozent erwirtschaften möchte, wird mir keiner € 1.000.– für „meine“ Anleihe mehr zahlen, die ja nur 0,25 Prozent abwirft. Wenn ich also heute meine Anleihe verkaufen wollte, dann müsste ich sie für weniger Geld verkaufen, als ich für sie bezahlt habe. Der Wert meiner Anleihe hat abgenommen, weil die Zinsen gestiegen sind.

Meine Anleihe wird immer noch € 1.000.– wert sein, wenn sie Jahre später zum Ende der Laufzeit fällig wird. Aber wenn ich heute Geld benötige und ich die Anleihe heute verkaufen muss? Dann werde ich einen Verlust machen.

Noch etwas Wissenswertes: Je länger der Zeitraum, bis die Anleihe fällig wird, desto mehr wird sie an Wert verlieren, wenn die Zinsen steigen.

Wenn ein Anleihenfonds an Wert verloren hat, sollte der sich nicht irgendwann wieder erholen?

Schließlich habe ich gerade erklärt, dass sie bei Fälligkeit den Nennwert einer Anleihe/Bond zurückbekommen, auch wenn die Kurse der Anleihe während der Laufzeit schwanken können. Das bedeutet, dass alle Kursverluste, die während der Laufzeit der Anleihe bis zur Fälligkeit entstehen können, nur temporär sind.

Gilt das auch für Investmentfonds?

Wahr ist, dass wenn man eine einzelne Anleihe bis zur Fälligkeit hält, man sein Kapital wiederbekommt. Aber ein Anleihenfonds ist keine einzelne Anleihe. Hierbei handelt es sich um ein großes Anleihen-Portfolio mit einem aktiven Manager, der wahrscheinlich Positionen kauft und verkauft.

Wann immer eine Anleihe in diesem Portfolio gekauft oder verkauft wird, könnte das einen Gewinn oder einen Verlust bedeuten.

Während eine Staatsanleihe praktisch das Ausfallrisiko eliminiert, hat der Manager, der Anleihen kauft und verkauft, immer noch mit dem Marktrisiko zu tun. Und dieses Marktrisiko könnte sich in tatsächlichen Gewinnen oder Verlusten niederschlagen, wenn der Manager Positionen aktiv kauft oder verkauft.

Wenn die Zinsen steigen … sollte ich nervös werden?

Als der Aktienmarkt sich in den Jahren 2008/2009 teilweise halbiert hatte, haben viele Menschen sehr viel Geld verloren und es hat 3 – 4 Jahre gedauert, diese Verluste wiedergutzumachen.

Und viele, die Angst vor Aktien haben, haben sich wahrscheinlich für Anleihen entschieden, weil sie davon ausgegangen sind, dass sie eine sichere Alternative darstellen. Sie hatten Recht, zumindest solange die Zinsen nicht drastisch ansteigen, was sie noch nicht getan haben.

Ende 2016 hat die US-Notenbank den von ihr direkt kontrollierten Zinssatz, Diskontsatz genannt, um ein Viertel Prozent angehoben. Dies ist das zweite Mal, dass sie den Zinssatz angehoben hat. Das erste Mal war 2015.

Diese lang erwartete Zinserhöhung wird in der Wirtschaft Wellen schlagen und überall zu spüren sein, von Zinsen für Kredite bis zu Anleihekursen. Auch wenn es kein großer Anstieg ist, ist es dennoch ein Schuss vor den Bug für alle, die in langfristige Anleihen oder Anleihenfonds investiert haben.

Zeit, nervös zu werden?

Nein. Weil das Wirtschaftswachstum immer noch überschaubar ist, wird die EZB die Zinsen nicht so schnell erhöhen und einzelne Steigerungen werden sehr wahrscheinlich erst einmal gering sein. Abgesehen davon ändern sich die Marktzinsen ständig.

Nur so viel, wenn die Zinsen erst einmal steigen, dann ist ein Anleihenfonds mit langfristigen Bonds nicht der Ort, an dem man sich befinden möchte.

Was sollte man als Investor tun?

Davon abgesehen, auch wenn die Zinsen in den kommenden Monaten vermutlich nicht stark ansteigen werden, sollte man jetzt den Weg des geringsten Widerstands einschlagen.

Der Zinssatz liegt bei fast Null. Es gibt praktisch langfristig keine andere Möglichkeit, als Zinserhöhungen. Es ist nur eine Frage der Zeit und das sollte dann niemand mehr überraschen.

Das „Spielfeld“ wird sich ändern. Und das bedeutet, dass Sie zwei Optionen haben:  Ihr Portfolio anpassen, oder Ihre Erwartungen.

Wenn Sie besorgt sind, dass steigende Zinsen Ihrem langfristigen Anleihenfonds schaden, dann passen Sie Ihr Portfolio an, indem Sie zu Fonds mit mittel- oder kurzfristigen Anleihen wechseln. Sie werden nicht so viele Zinsen abwerfen, aber wenn die Zinsen schnell steigen, dann ist ein Kapitalerhalt wahrscheinlicher.

Wenn Sie mit Ihrem aktuellen Anlagen-Mix zufrieden sind und Ihr Geld in langfristigen Anleihenfonds halten wollen, dann sollten Sie Ihre Erwartungen anpassen und sich mental auf potenzielle Wertverluste einstellen, falls die Zinsen steigen.

Eine letzte Option ist, Anleihenfonds zu meiden und nur einzelne Anleihen zu kaufen. Dann wissen Sie, dass Sie den Nennwert erhalten, falls Sie Ihre Anleihe bis zur Fälligkeit behalten. Aber der Besitz von einzelnen Anleihen benötigt in der Regel mehr Kapital als der Besitz eines Fonds.

 

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Mein Name ist Thomas Vetter, Honorar-Finanzanlagenberater und Blogger –  „Go-Financial.Net“. Unsere Mission ist einfach: Wir geben unseren Lesern die Informationen und Inspiration, die Sie brauchen um Ihre Schulden zu beseitigen, Ihr Vermögen aufzubauen und Ihre persönlichen Ziele zu erreichen, was auch immer sie sind.

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